PMS (Prämenstruelles Syndrom)

Mikronährstofftherapie

Der weibliche Zyklus ist ein sich monatlich wiederholender Vorgang, der sich im Leben einer Frau bis zu 400-mal vollzieht. Charakterisiert wird der gesamte Zyklus durch hormonelle Veränderungen, die zum Teil Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden und die Stimmungslage haben. Das prämenstruelle Syndrom (PMS) bezeichnet den Komplex der den Alltag störenden Beschwerden, die hauptsächlich in der zweiten Zyklushälfte auftreten und mit einigen leichten, aber auch schweren Symptomen assoziiert werden. Körperliche Beschwerden – wie Wassereinlagerungen im Gewebe, Unterleibsschmerzen und unreine Haut – werden oft zusätzlich begleitet von psychischen Beschwerden – wie Müdigkeit, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen. Sehr viele Frauen leiden unter PMS-Symptomen in unterschiedlichem Ausmaß. Schätzungsweise sind drei Viertel der Frauen im gebärfähigen Alter, vor allem zwischen 30 und 40 Jahren, davon betroffen. Von diesen leiden 3 bis 8 % unter einer besonders starken Form des PMS, der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS).

 

Das PMS tritt nach dem Eisprung in der zweiten Zyklusphase auf und kann entweder von nur wenigen Tagen bis zu zwei Wochen andauern. Meist klingen die Beschwerden bei den meisten Betroffenen mit dem Einsetzen der Menstruationsblutung wieder ab. Symptomatik und Schweregrad des PMS variieren dabei von Frau zu Frau. Während manche Frauen über ein paar Symptome an wenigen Tagen klagen, empfinden andere die gesamte 2. Zyklushälfte als sehr belastend. Zu den körperlichen Symptomen zählen ausgeprägte Müdigkeit, Erschöpfungssymptome, Abgeschlagenheit, Unterleibskrämpfe, Magen-Darm-Beschwerden, Hautveränderungen, Kreislaufbeschwerden, Wasseransammlungen im Körper, Rücken- und Kopfschmerzen, Migräne, Empfindlichkeit bzw. Schwellungen oder Spannungsgefühl der Brüste, Gewichtszunahme, Ohnmacht, erhöhte Reizsensibilität und Schmerzen im Bereich der Geschlechtsorgane. Des Weiteren können auch psychische Symptome auftreten, darunter Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Aggressivität, Gefühl von Überforderung und Kontrollverlust, Antriebslosigkeit, Hyperaktivität, Ruhelosigkeit, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, Angstzustände, depressive oder manische Stimmungen sowie grundloses Lachen oder Weinen. Ein geringer Prozentsatz der Frauen ist von einer besonders starken Form des psychischen Beschwerdebilds betroffen. Bei der sogenannten prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) treten die Symptome Aggressivität, Wut, Reizbarkeit, Depression und Angst so stark auf, dass es zu Auswirkungen auf das berufliche, soziale und familiäre Umfeld kommt. 

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Ursachen

Trotz langjähriger Forschung sind die genauen Ursachen des PMS bis dato nicht eindeutig geklärt, es wird aber von einer multifaktoriell bedingten Störung ausgegangen. Als eine der möglichen Ursachen für das Auftreten des PMS werden die hormonellen Veränderungen in der 2. Zyklushälfte nach dem Eisprung und der eintretenden Menstruationsblutung vermutet. Dazu gehört eine Dysbalance der Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen sowie Prolaktin, das in der 2. Zyklushälfte ansteigt. Diese hormonelle Umstellung kann im Körper dann zu den typischen körperlichen und psychischen Beschwerden des PMS führen. Des Weiteren können einige Faktoren zu einer Verstärkung eines prämenstruellen Syndroms beitragen, darunter Störungen der Schilddrüse, länger andauernder Stress, Schwankungen des Serotoninspiegels, psychische Belastungen, Schlafstörungen, ungesunde Ernährungsgewohnheiten sowie der übermäßige Genuss von Nikotin, Koffein und Alkohol.
 

Eine ausführliche Anamnese durch den behandelnden Arzt steht in der Diagnose eines PMS an erster Stelle. Des Weiteren kann das Führen eines Beschwerdetagebuchs bei der Vielfalt der Symptomatik eine Hilfestellung bieten. Um andere Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild vom PMS abzugrenzen und eine eindeutige Diagnose zu erlangen, sind aber entsprechende körperliche Untersuchungen sowie eine passende Labordiagnostik inklusive Hormonstatus erforderlich. Im Labor können Parameter wie Östradiol und Progesteron in der 2. Zyklushälfte in Form eines PMS-Basisprofils einen Hinweis auf ein bestehendes PMS liefern. Dabei sollte die Progesteronbestimmung idealerweise zwischen dem 19. und dem 21. Zyklustag erfolgen. Des Weiteren kann ein PMS-Plusprofil durchgeführt werden, in welchem weitere Parameter, wie Kalzium, Folsäure, fT3 und fT4 (Schilddrüsenhormone), Magnesium, Prolaktin, Serotonin, TSH (Hormon der Hirnanhangdrüse zur Regulation der Bildung der Schilddrüsenhormone), Vitamin B6 sowie Zink im Serum, EDTA-Blut bzw. Lithium-Heparin-Blut, untersucht werden. Unter EDTA-Blut versteht man Blut, welches für die Laboruntersuchung mit dem Chelatbildner Ethylendiamintetraazetat (EDTA) ungerinnbar gemacht wird, bei Heparinblut wird der Gerinnung mit Heparin (Lithiumheparinat) entgegengewirkt.
 

Um die Beschwerden eines PMS zu lindern, können eine angepasste Mikronährstofftherapie sowie ggf. entsprechende Medikamente angewendet werden. Die Therapie erfolgt aufgrund des komplexen Zusammenspiels der verschiedenen Ursachen in erster Linie über die Behandlung der jeweiligen Beschwerden. Allerdings können ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Aktivität, ausreichend Schlaf und Entspannung, eine salzreduzierte und gesunde Ernährung sowie der Verzicht auf Kaffee, Nikotin und Alkohol die Symptome in der 2. Zyklushälfte in vielen Fällen deutlich lindern.
 

Relevante Mikronährstoffe

Pyridoxal-5-Phosphat (P5P, PLP), die metabolisch aktive Form von Vitamin B6, übernimmt nicht nur Funktionen in der Synthese von Prostaglandinen und Fettsäuren, sondern ist auch bedeutend für die Bildung von Neurotransmittern, wie Dopamin und Serotonin. Es wurde bereits wissenschaftlich bewiesen, dass Vitamin B6 zur normalen psychischen Funktion sowie zur Regulierung der Hormontätigkeit beiträgt. Besonders unter Anwendung oraler Kontrazeptiva werden Nervosität, Reizbarkeit und Depression häufig beobachtet. Aus der Literatur ist bekannt, dass die Vitamin-B6-Werte von Verwenderinnen oraler Kontrazeptiva signifikant niedriger sind als jene von Nichtverwenderinnen – dementsprechend kann hier ein physiologischer Zusammenhang erkannt werden. Vitamin B6 in hohen Dosierungen wurde in mehreren Studien zur Behandlung von depressiven Verstimmungen in der prämenstruellen Phase erfolgreich eingesetzt. Es konnte eine günstige Wirkung auf psychische Symptome – wie depressive Verstimmungen, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten – sowie allgemeines Unwohlsein gezeigt werden. Zudem steht ein Mangel an Vitamin B6 in Zusammenhang mit vermehrten Wassereinlagerungen, denen durch die Gabe von Vitamin B6 ebenso entgegengewirkt werden konnte wie prämenstrueller Akne. Die Effizienz einer Vitamin-B6-Therapie auf prämenopausale Frauen mit hormonabhängigen Depressionen wurde ebenso verdeutlicht. Zusätzlich zu den Vitamin-B6-Effekten auf PMS konnte die Aufnahme niedriger Dosen von Vitamin B1 sowie Vitamin B2 mit einem verringerten Auftreten von PMS in Verbindung gebracht werden, denn diese B-Vitamine sind über verschiedene Mechanismen in den Neurotransmitterstoffwechsel integriert. Vitamin B6 wird bei schmerzhaften Regelblutungen und bei depressiven Verstimmungen in der prämenstruellen Phase erfolgreich eingesetzt. In mehreren klinischen Studien konnte eine Vitamin-B6-Supplementierung sowohl PMS als auch prämenstruelle Depressionen günstig beeinflussen. Auch Kalzium- und Magnesiummangel ist mit dem Auftreten von Regelschmerzen assoziiert. Um die Aufnahme der beiden Mineralstoffe zu verbessern, sollte auch Vitamin D supplementiert werden.

 Frauen verlieren zwischen 30 und 40 ml Blut pro Zyklus; bei starkem Blutverlust können es auch 60 bis 80 ml sein. Bei noch höheren Mengen spricht man von anormalen uterinen Blutungen oder Menorrhagie. Der Eisenstatus ist dann stärker beeinträchtigt, wenn der Blutverlust mehr als 60 ml beträgt. Eisenmangel führt zu einer verminderten Hämoglobin- und Erythrozytenkonzentration mit unspezifischen Symptomen und manifestiert sich letztlich in Form einer Anämie. Der verminderte Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigt die Versorgung von Organen und Geweben. Dies bewirkt allgemeine Beschwerden, wie Müdigkeit, Erschöpfung und Abgeschlagenheit. Die Gabe von Eisen vermindert demnach unter anderem Müdigkeit und Erschöpfung – Symptome des PMS, die viele Frauen in leichter oder auch schwerer Ausprägung monatlich betreffen. Eisen ist außerdem ein Kofaktor des Enzyms Tryptophanhydroxylase, das die Umwandlung von Tryptophan in die Serotoninvorstufe 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) katalysiert. Niedrige Eisenwerte wurden schon früher mit postnatalen Depressionen in Zusammenhang gebracht, einer Störung, die mit Hypersensitivität gegenüber Schwankungen der Ovarialhormone einhergeht. In neuen Studien konnte nun besonders die hochdosierte Einnahme von Nicht-Hämeisen, das größtenteils pflanzlicher Herkunft ist, mit einem niedrigeren Risiko für PMS in Verbindung gebracht werden. Also empfiehlt sich die tägliche Basisversorgung mit pflanzlichem Eisen, um prämenstruellen Symptomen – wie Abgeschlagenheit und Erschöpfung – vorzubeugen.

Ginkgo biloba eine Pflanze, die ihren Ursprung in China hat und dort bereits seit Hunderten von Jahren in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zum Einsatz kommt, ist besonders reich an aktiven Inhaltsstoffen, wie Flavonoidglykosiden und Terpenlaktonen. Bei sehr guter Verträglichkeit und Sicherheit konnte dem Pflanzenextrakt eine günstige Wirkung auf Symptome des prämenstruellen Syndroms nachgewiesen werden. In einer Studie verbesserte die Anwendung
von 40 mg Ginkgoblattextrakt besonders die neuropsychologischen Symptome Aggression und Irritabilität, aber auch Brustspannen und Wassereinlagerungen. Der Einsatz von Ginkgoextrakt zur Vorbeugung von PMS und zur Steigerung von Wohlbefinden und Ausgeglichenheit ist demnach besonders empfehlenswert.

Der patentierte Pinus-pinaster-Extrakt Pycnogenol enthält Polyphenole aus einem standardisierten Reinsubstanzenextrakt, der aus der Rinde der maritimen Pinie (Pinus pinaster) und aus Traubenkernen gewonnen wird. Neben der Hemmung der Cyclooxygenase kann Pycnogenol die Aktivität von proinflammatorischen Proteinen, wie NF-kB, und die des C-reaktive Proteins reduzieren und damit Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen. In mehreren Studien an Frauen mit Dysmenorrhoe bewirkte die Einnahme von Pycnogenol eine signifikante Reduktion der Menstruationsschmerzen. Eine östrogeninduzierte Erhöhung des Prostaglandinspiegels ist ein häufiger Grund für Unterbauchschmerzen während der Menstruation. In einer klinischen Studie an 116 Frauen mit Dysmenorrhö konnte der schmerzreduzierende Effekt von Pycnogenol während der Menstruation nachgewiesen werden. Schmerzintensität und -dauer konnten deutlich reduziert werden, was zu einer Reduktion der Anwendung nichtsteroidaler Schmerzmittel um bis zu 50 % führte.

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) ist ein traditionelles und sehr populäres Heilmittel für gynäkologische Beschwerden, besonders im angloamerikanischen und europäischen Raum. Da konventionelle PMS-Behandlungen mit Hormonen und synthetischen Antidepressiva nicht gut angenommen werden, wird das Phytotherapeutikum Mönchspfefferextrakt eingesetzt. Die Popularität von komplementären/alternativen Therapien ist in den letzten Jahren gestiegen, und diese Behandlungen wurden von Frauen (48,9 %) häufiger genutzt als von Männern (37,8 %). Bereits 2011 bestätigte eine Studie die Wirkung von Vitex agnus-castus auf das häufigste Symptom der Wechseljahre – die Hitzewallungen. 2012 überprüfte eine Review 13 randomisierte kontrollierte Studien zum Einsatz von Vitex agnus-castus bei PMS, PMDS und Hyperprolaktinämie und kommt zu dem Schluss, dass die Pflanze in der Behandlung aller drei Störungen Nutzen zeigt und dabei gut verträglich ist. In einer placebokontrollierten Studie wurden 20 mg Vitex-agnus-castus-Extrakt als optimale Dosis für die Behandlung von PMS-Symptomen festgelegt. Der Extrakt reduziert signifikant PMS-Symptome, wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Wut, Kopfschmerz, Blähungen und Brustspannen sowie Wassereinlagerungen, Heißhungerattacken und Reizbarkeit. Dabei wird er auch sehr gut vertragen und zeigt nur in wenigen Fällen leichte und vorübergehende Nebenwirkungen. Auch die Wirkung von Vitex agnus-castus auf Migränikerinnen mit Prämenstruellem Syndrom ist belegt. Von 107 Frauen berichteten 66 über eine dramatische Reduktion der PMS-Symptome, 26 über eine leichte Reduktion und 8 über keinen Effekt. 42 % der Patientinnen hatten nur mehr halb so viele Migräneattacken und 57 % der Patientinnen nur mehr an halb so vielen Tagen pro Monat Kopfschmerzen. Keine Patientin litt an signifikanten Nebenwirkungen.

Laboruntersuchung

Mögliche Laboruntersuchung (Labor GANZIMMUN) Detailinformation
PM- Basisprofil (Saliva) Analyse von Östradiol und Progesteron im Speichel in der 2. Zyklushälfte (idealerweise zwischen 19. und 21. Zyklustag)   PMS
PM-Plusprofil Analyse von Calcium, Folsäure, fT3, fT4, Magnesium, Prolaktin, Serotonin, TSH, Vitamin B6, Zink im Serum, EDTA-Blut und Lithium-Heparin-Blut. PMS
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